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Cybermobbing und Gewalt im Netz

Dec 09, 2013

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Neue Medien verändern unser Kommunikationsverhalten grundlegend: wir kommunizieren und inszenieren uns zunehmend digital.

In vielen Bereichen hat das sicherlich Vorteile. – Zu den Schattenseiten wurde ich als Dozent für Social Media vor einiger Zeit vom Pro7 Magazin taff befragt. In dem Beitrag ging es um Cybermobbing und Gewalt im Netz.

Cybermobbing ist kein Randthema

Fakt ist, dass soziale Netzwerke wie Facebook oder YouTube auch dazu verwendet werden, um Konflikte auszutragen oder andere Menschen zu schikanieren. Studien zeigen, dass Cybermobbing dabei alles andere ist, als ein Randthema. Laut „Cyberlife – Spannungsfeld zwischen Faszination und Gefahr“, einer Studie, die in diesem Jahr vom Bündnis gegen Cybermobbing veröffentlich wurde, ist bereits jeder sechste Schüler in Deutschland schon einmal Cybermobbing-Opfer geworden. Aber auch Erwachsene sind betroffen.

Cybermobbing ist räumlich und zeitlich nicht gebunden

Persönlich empfinde ich es als besonders problematisch, dass Betroffene weniger Raum haben, um sich zurückzuziehen und Tätern aus dem Weg zu gehen. Cybermobbing ist weder zeitlich noch räumlich gebunden und verfolgt einen damit bis in die eigenen vier Wände. Im Gegensatz zu einer Alltagssituation, die schon schlimm genug ist, können Mobbing-Attacken im Netz von einer Vielzahl an Personen gesehen werden und sich rasant verbreiten. Die Anonymität des Netzes fördert an dieser Stelle sogar, dass Außenstehende auf einmal zu Mittätern werden. Aus Langeweile oder weil Sie gerade Lust dazu haben, jemanden fertig  zu machen. Daraus kann sich eine Gruppendynamik im negativsten Sinne entwickeln.

Gewalt im Netz

In letzter Zeit beobachtet man immer häufiger, dass Handys dazu missbraucht werden, gewalttätige Auseinandersetzungen zu dokumentieren und diese ins Netz zu stellen, anstatt zu helfen. Warum macht man das, wurde ich gefragt. – Es ist schwer hier eine passende Antwort zu finden. Für einige ist es sicherlich eine „persönliche Dokumentation“, bei einem nicht alltäglichen Ereignis dabei gewesen zu sein. Einfach gesagt: was für andere der Besuch im Freizeitpark ist, ist für andere eine Schlägerei. In vielen Fällen können solche Videos oder Fotos aber auch dazu dienen, seinen „Gruppenstatus“ aufzuwerten.  

Was kann man tun?

Wichtiger als nach dem „Warum?“ zu suchen, finde ich es allerdings, Betroffenen einige konkrete Anhaltspunkt dafür zu geben, was man gegen Cybermobbing und Gewalt im Netz tun kann:  

  • In jedem Fall sollte man sich mit einer Vertrauensperson austauschen und über den jeweiligen Vorfall sprechen und keine „Opferhaltung“ einnehmen.
  • Das Internet zu meiden, um Tätern aus dem Weg zu gehen, ist keine dauerhafte Lösung.
  • Leider wird Cybermobbing gesetzlich bisher nicht direkt bestraft, aber: das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Je nach Situation ist es daher ratsam, sich Rechtsbeistand einzuholen oder die Polizei zu verständigen.
  • Um entsprechende Beweise in der Hand zu haben, sollte man Screenshots anfertigen und dokumentieren, auf welchen Seiten die jeweiligen Inhalte verbreitet werden.
  • Man sollte den Betreiber der Seite kontaktieren und ihn dazu auffordern, die jeweiligen Inhalte umgehend zu entfernen. Die jeweiligen Kontaktdaten findet man im Impressum. Hier ist schnelles Handeln enorm wichtig, um eine weitere Verbreitung auf anderen Plattformen zu vermeiden.
  • Es hilft, wenn mehrere Personen aus dem Freundeskreis den Inhalt bei dem Seitenbetreiber anzeigen. Je mehr Menschen sich melden, umso höher ist der Druck für den Seitenbetreiber, die gemeldeten Inhalte zu entfernen.
  • Bei Plattformen wie Facebook erfolgt der Kontakt über ein Formular: https://www.facebook.com/help/reportlinks – dabei ist es übrigens nicht notwendig selbst Facebook Nutzer zu sein, um bestimmte Inhalte zu melden.
  • Mit Twitter kann man über folgendes Formular Kontakt aufnehmen: https://support.twitter.com/forms/abusiveuser
  • Der Kontakt zu YouTube findet sich hier: http://www.youtube.com/reportabuse
  • Über den Seitenbetreiber kann übrigens auch die Identität des Täters ermittelt werden. Dafür muss jedoch zuvor eine Strafanzeige gestellt werden.
  • Hilfe von Außen findet man z.B. bei Einrichtungen und Institutionen wie Bündnis gegen Cybermobbing (http://www.bündnis-gegen-cybermobbing.de) oder Juuport (http://www.juuuport.de).

Während es für Zeugen in der Offline-Welt häufig gefährlich sein kann, Zivilcourage zu zeigen, weil man sich dadurch möglicherweise selbst in Gefahr bringt, benötigt es digital oftmals nur einen Klick oder ein Kommentar, um jemandem zu helfen. So pathetisch es klingt: wir müssen auch digital handeln und Verantwortung übernehmen, wenn etwas nicht okay ist. Leider reguliert sich das Netz nicht von alleine.