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Der Großmutter-Test

Sep 25, 2014

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Fachbegriffe besitzen häufig eine magische Wirkung auf uns. Wie bei einem Zauberspruch weiß man als „Nicht-Eingeweihter“ oft nicht genau, was sie eigentlich bedeuten, aber sie erzeugen ein Gefühl von Sicherheit und signalisieren uns: „da scheint sich jemand auszukennen, mit dem, was er da tut.“ 

Gleichzeitig können Fachbegriffe dabei helfen, Missverständnisse zu vermeiden und so Zeit, Geld und Nerven zu sparen.

Die Voraussetzung dafür ist allerdings: es herrscht ein eindeutiges Verständnis über den jeweiligen Fachbegriff. 

Fachbegriffe sind im Marketing oft nicht eindeutig belegt

Das ist im Marketing leider nicht immer so. Viele Fachausdrücke sind nicht eindeutig belegt und ermöglichen dadurch Spielraum für eigene Interpretationen.

Kommen dann noch Anglizismen ins Spiel, fühlt man sich bei einigen Marketing-Veranstaltungen schnell wie bei einer koreanischen Quizshow. – Selbst wenn es irgendwie Spaß macht, man versteht kein Wort.

Und genau das ist schade. Oftmals quälen wir uns damit, Worte zu verwenden, deren Bedeutung wir nicht wirklich kennen, um Menschen zu beeindrucken, die uns eigentlich egal sind. – Und das schadet am Ende nur einem selbst.

Durch eine Engagement Strategy die Zielgruppe retrainen

Erst neulich habe ich auf einem Marketing-Kongress einen Redner erlebt, der in seinem Vortrag mehrfach von der wichtigen Bedeutung einer „Engagement Strategy“ gesprochen hat, um „Zielgruppen zu retrainen“. 

Als er darauf angesprochen wurde, was er denn eigentlich konkret meint, folgte auf eine längere Pause der Hinweis, dass das nicht so einfach zu erklären sei. 

Wie häufig verlangen wir im Marketing: „Sprecht die Sprache Eurer Kunden!“ oder „Kommuniziert auf Augenhöhe“ und fachsimpeln dann selbst wirr herum.

Der Großmutter-Test als Abhilfe

Hier würde ich gern den „Großmutter-Test“ als Abhilfe etablieren: wenn man etwas nicht so einfach erklären kann, dass es die eigene Großmutter versteht, sollte man sich fragen, ob man es selbst ausreichend verstanden hat und im Zweifelsfall besser nichts sagen.

Das könnte ganz gut funktionieren und würde vielleicht sogar den einen oder anderen Vortrag überflüssig machen.


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Manche Worte erzeugen in unseren Köpfen eine Illusion von etwas, das es in der Realität eigentlich gar nicht gibt. Nicht immer ist das gut.

Unsere Sprache ist häufig genauso täuschend, wie ein Zauberkunststück: während der Orangensaft aus Orangen besteht, ist der Hustensaft zum Glück nicht aus Husten sondern hilft idealerweise dabei, diesen zu lindern. – Und wenn Sie Ihrer Familie eine Freude machen wollen, ist ein Besuch im Freizeitpark meist besser geeignet, als der im Freudenhaus. 

Das ist doch selbstverständlich, werden Sie denken, aber manchmal bin ich mir nicht so sicher, ob jedes Wort, das wir verwenden, sich tatsächlich von selbst versteht.  

Ganz besonders dann, wenn wir uns anderer Sprachen bedienen. „Digital Natives“ ist so ein Beispiel. Ein Wort, das erfunden wurde, um Menschen zu beschreiben, die mit digitalen Technologien wie Mobiltelefonen und dem Internet aufgewachsen sind. 
Kurz: alle, die nach 1980 geboren sind.

Ein Zauberkasten macht keinen zum Copperfield, ein Smartphone keinen zum Digital Native

Niemand würde auf die Idee kommen, dass ein Zauberkasten allein einen zu einem zweiten Copperfield macht. Aber zu viele Menschen glauben leider immer noch, dass die Tatsache mit digitalen Medien aufzuwachsen, dazu führt, dass man sich perfekt damit auskennen müsse. 

Und genau hier liegt das große Missverständnis: die Axt im Haus ersetzt vielleicht den Zimmermann, nicht aber den Fachkundigen, der sie führt. Eine Freundin von mir arbeitet in der Notaufnahme im Krankenhaus, die kann Ihnen ein Lied davon singen, wie viele das Gegenteil glauben...

Digitale Kommunikation benötigt eine klare Strategie

Das gleiche Phänomen beobachtet man in der Geschäftswelt: viele Unternehmen schreiben „Digital Natives“ Fähigkeiten zu, die diese nicht automatisch besitzen, weil sie mehr Zeit ihre Lebens auf Facebook verbringen, als ein Fisch im Wasser. 

Digitale Medien selbst zu nutzen und zu wissen, was man eigentlich macht, sind verschiedene Dinge. Nur weil jemand regelmäßig twittert, bedeutet das noch lange nicht, dass diese Person ein Unternehmen auch erfolgreich in digitalen Medien vertreten kann. Hier spielen noch andere Aspekte eine wichtige Rolle: strategisches Denken zum Beispiel.

Das will ich keinem „Digital Native“ abstreiten, wohl aber dazu anregen, dass es auch ältere Mitarbeiter gibt, die genau verstanden haben, wie digitale Kommunikation funktioniert. Auch wenn diese sich noch gut an eine Zeit ohne Mobiltelefon und Internet erinnern können. Damals, als das Wort „Freund“ noch eine andere Bedeutung hatte, als im heutigen Facebook-Zeitalter...  


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